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Whisky GlasEin chinesischer Tourist hat in einem Schweizer Hotel einen exklusiven Whisky für 8500€ bestellt. Was er erhielt, war jedoch alles andere als das.

Das schweizerische St. Moritz ist bekannt für seine tollen Hotels, zahlungskräftigen Gäste und ist stets für eine Schlagzeile gut. Wie auch in diesem Fall. Im Sommer diesen Jahres ereignete sich nämlich ein Etikettenschwindel der besonderen Art. Ein chinesischer Whisky-Liebhaber hatte eine Rarität auf der Karte entdeckt und sich kurzentschlossen für ein Glas des edlen Tropfens entschieden. Gesagt getan – die Flasche des 1878er Macallan Glenlivet Single Malt „Special Reserve“ wurde für den chinesischen Gast vom Hotelier Bernasconi höchstpersönlich geöffnet. Die Rechnung in Höhe von 8500€ bezahlte der solvente Gast anstandslos und schien dabei mit dem Genussmoment durchaus zufrieden gewesen zu sein.
Doch was im Nachhinein passierte, klingt nach Stoff für einem Krimi. Der Hotelier Bernasconi hatte nämlich Zweifel an der Echtheit seines eigenen Whiskys. Und das obwohl die Flasche seinen Angaben zu Folge bereits seit 25 Jahren im Hotelbesitz war. Der Verdacht ließ ihm dennoch keine Ruhe, so dass er sich für eine Analyse des vermeintlich edlen Tropfens entschied. Das Ergebnis der Analyse beim britischen Labor Tatlock & Thompson verlief ernüchternd. Denn der Verdacht von Hotelier Bernasconi konnte tatsächlich bestätigt werden. Denn die chemischen Untersuchungen ergaben, dass der Inhalt der Flasche aus den 70er Jahren stammt. Allerdings nicht aus den 1870ern wie angegeben, sondern geschlagene 100 Jahre später!
Ein raffinierter Ganove hatte demzufolge einen Blended Scotch in Eigenabfüllung zur sündhaft teuren Rarität umfunktioniert. Bei dem Hochstapler muss es sich um einen Kenner der Whiskyszene gehandelt haben, da er sowohl Kenntnisse über die Flasche als auch über das Originaletikett verfügte. Offensichtlich schaffte er es, das Etikett echt wirken zu lassen und konnte somit einen fünfstelligen Betrag für die Flasche aufrufen.

Doch was tat der Hotelier mit dieser neuen Erkenntnis? Schließlich war chinesische Gast bereits seit geraumer Zeit nicht mehr im Lande und offensichtlich auch mit dem nicht ganz so exklusiven Getränk zufrieden. Als seriöser Geschäftsmann allerdings konnte er die Sache nicht einfach unter den Tisch kehren. Er kontaktierte seinen Gast in China und vereinbarte eine Rückzahlung des Betrages. Hierzu reiste er nach Peking, um die Sache aus der Welt zu schaffen. In einem öffentlichkeitswirksamen Auftritt überreichte er einen symbolischen Scheck und zelebrierte dabei die wiedergewonnene Glaubwürdigkeit und Seriösität seiner international renommierten Hotelbar im schweizerischen St. Moritz.

Bei Verdacht lohnt sich eine labortechnische Überprüfung

Schätzungen zu Folge nimmt die Zahl der Fälschungen gerade im hochpreisigen Segment zu, da es sich für Kriminelle lohnt hier aktiv zu werden. Und das nicht nur bei Whisky! Denn auch beim Thema Wein werden heutzutage exorbitant hohe Summen gezahlt. Experten raten Käufern bei einem Verdachtsmoment aus diesem Grund zu einer Überprüfung des Inhalts.

Interpol fahndet weltweit

Immer wieder und über nationale Grenzen hinweg agiert die Sicherheitsbehörde Interpol unter anderem gegen Nahrungs- & Genussmittelfälscher. Hierbei werden bei Razzien stets große Mengen gefälschter Lebens- und Genussmittel sichergestellt. Bei Razzien im letzten Jahr beschlagnahmten Fahnder allein in Großbritannien erhebliche Mengen an gefälschtem Whisky, Wein und anderen Spirituosen.

Lebensgefährlich

Der Etikettenschwindel nimmt zu. Das zwar nicht nur im hochpreisigen Segment, aber gerade auch dort. Dabei nehmen Fälscher nicht nur den materiellen Schaden beim Endkunden in Kauf, sondern riskieren nicht selten auch deren Gesundheit. Denn der Inhalt der schönen Verpackungen ist den Fälschern in den meisten Fällen grundsätzlich egal. Schließlich geht es den Kriminellen nicht darum der Welt zu beweisen, dass man ein Produkt herstellen kann welches so gut ist wie das Original, sondern um die reine Profitmaximierung.
Um Risiken zu vermeiden, sollten Sie gerade im Onlinehandel bei vermeintlichen Schnäppchen Vorsicht walten lassen und lieber beim seriösen Fachhändler einkaufen.

Quelle: Spiegel Online